Besuch der Fazenda da Esperanca

„Hof der Hoffnung“ lautet die deutsche Übersetzung von Fazenda da Esperanca. Was genau diese Hoffnung bedeutet, konnten wir beim Franziskusfest auf Gut Neuhof erfahren. Im Anschluss standen noch zwei Tage Berlin auf dem Programm.

Man muss schon über ausgeprägte Ortskenntnisse verfügen oder ein gutes Navigationsgerät besitzen um den ehemaligen Gutshof zu finden. Nur einige Windräder und die nahegelegen ICE-Strecke bieten Anhaltspunkte in der Umgebung. Doch das diese Abgeschiedenheit gewollt ist, war eine der Erkenntnisse, die 19 Mitglieder der Campus-Weggemeinschaft während der dreitägigen Fahrt erlangten. Auf der Fazenda da Esperanca leben Menschen, die nach einer Sucht- oder Kriminalitätsvergangenheit ein neues Leben beginnen wollen. Dazu sollen sie bewusst Abstand von ihrer alten Umgebung gewinnen und eine neue Gemeinschaft mit den anderen Bewohnern und den Helfern auf der Fazenda bilden.  Während des Franziskusfest gaben die Bewohner nicht nur Einblicke in die Fazenda, sondern auch in ihre eigenen Lebenserfahrungen. In kleiner Runde gingen sie auf persönliche Fragen ein. Besonders beeindruckend war, zu erfahren, wie die Erfahrungen der Spiritualität ihnen neuen Mut für ein Leben ohne Alkohol und Drogen geben. Das Franziskusfest wurde abgerundet mit einem gemeinsamen Gottesdienst, in dem auch noch einmal deutlich wurde, dass ein „neu beginnen“ auch nach schweren Rückschlägen immer möglich ist.

Danach ging es für die Gruppe unseres Vereins weiter nach Berlin, wo am nächsten Tag zunächst ein weiterer Gottesdienst in der St. Hedwigs-Kathedrale und anschließen ein Gespräch mit dem Berliner Prälat Robert Steinke anstanden. Erstmals ging die Fahrt über drei Tage und so konnte der restliche Tag genutzt werden, um ausführlich Berlin zu erkunden. Neben dem Besuch der klassischen Sehenswürdigkeiten wurde u.a. das Jüdische Museum besichtigt.

Am dritten Tag gab es nach einem Zwischenstopp an der East Side Gallery eine Führung durch die ehemalige Stasi-Untersuchungshaftanstalt Hohenschönhausen. Das war für alle ein spannender und eindrucksvoller Abschluss, weil die Führung durch den DDR-Oppositionellen und ehemaligen Häftling Wolfgang Rüddenklau geleitet wurde. Für uns „Nach-Wende-Generation“, die die DDR nur aus Spielfilmen und dem Geschichtsunterricht kennt, war es spannend, Erfahrungen aus erster Hand zu erhalten. So wurde beim Rundgang durch das Gefängnis deutlich, wie das DDR-Regime zunehmend von körperlicher Folter zu perfide geplanter psychischen Folter überging.

Felix Heinemann

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