Wer Hoffnung hat, lebt anders

Gut Neuhof / Mörmter 2011. Mehrere schlichte große Gebäude, eine Bäckerei, ein Stall mit Schweinen, mehrere Hektar Land – Was auf den ersten Blick wie ein einfaches Bauerngut aussieht, bedeutet für viele ein Tor zurück ins Leben. Auf den über 70 Fazendas weltweit verändern Drogen- und Alkoholabhängige durch eine radikale Lebensumstellung ihre Zukunft. Die jungen Menschen lernen nach dem Evangelium zu leben. Dadurch schöpfen sie Hoffnung für ein friedliches Zusammenleben mit anderen. Sie erfahren zu lieben. Geprägt ist dieses Leben vor allem durch Arbeit, Gemeinschaft und Spiritualität, den drei Säulen des Lebens auf der Fazenda.

Einer von ihnen erzählte am Franziskusfest seine bewegende Geschichte. Nach anfänglichem Marihuana-Konsum im Alter von 12 Jahren, nahm er bald härtere Drogen wie Kokain. Jahre der Drogensucht folgten. Letztes Jahr gegen Weihnachten überzeugte ihn dann seine Mutter, an der Fazenda Gut Neuhof seinen Entzug zu machen. Völlig benebelt kam er dort an, doch er erfuhr in den ersten Tagen so viel Unterstützung und Verständnis wie man sie sonst kaum finden kann. Nach Monaten ohne Drogen und aktiven Lebens des Evangelium war ihm nicht mehr anzusehen, dass er eine schwierige Vergangenheit hat. Er erzählte seine Geschichte zwar mit Ernsthaftigkeit, doch seine neu gewonnene Lebensfreude überwog die schwierige Vergangenheit bei weitem. Mit dieser Lebensfreude wird er auch kommenden Abhängigen Hoffnung auf ihrem Weg geben.

In der Fazenda in Mörmter wurden in diesem Jahr zum ersten Mal Kurzexerzitien für die Campus-Weggemeinschaft angeboten.

Schon beim gemeinsamen Abendbrot der Teilnehmer und Bewohner der Fazenda wurde den Teilnehmern deutlich, dass neben den geistlichen Impulsen das Leben mit den Bewohnern zur zweiten Säule des gemeinsamen Exerzitienweges werden sollte.

In der ersten Hälfte der Exerzitienwoche stand das bewusste Leben des Evangelium im Mittelpunkt. Nach gemeinsamer morgendlicher Betrachtung traf man sich mit Prälat Klasvogt, um die Heilige Schrift zu hören, die als Grundlage für den Tag diente, während die Bewohner der Fazenda an ihren Arbeitsplatz im und rund ums Haus gingen. Anschließend hatte jeder einzelne Zeit zum Nachdenken und Genießen der herrlichen Landschaft des Niederrheins. Nachmittags kam man zur Reflexion wieder in der Exerzitiengemeinschaft zusammen und konnte sich über die Erfahrungen des Tages, besonders in Bezug auf die morgendliche Einheit, austauschen.
Die zweite Hälfte der Exerzitienwoche war vor allem durch die Feier der österlichen Liturgie bestimmt. Am Karsamstag kam Weihbischof Theissing ins Kloster Mörmter, um in der Osternacht vier Bewohnern die Firmung zu spenden und einen zu taufen. Als zwei der Firmlinge vor der Spendung des Sakraments kurze Einblicke in ihr bisheriges Leben gaben, zeigte sich deutlich, dass die Fazenda da Esperanca ihrem Namen gerecht wird. Sie gibt Hoffnung und hilft durch Gemeinschaft und Glauben Süchte zu überwinden.

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